Keine grobe Fahrlässigkeit bei Spoofing

13. Dezember 2017

Eine Arbeitnehmerin muss nicht für einen durch sogenanntes Spoofing entstandenen Schaden haften, obwohl sie gegen Weisungen ihres Arbeitgebers verstoßen hat. Das hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf entschieden (LAG Düsseldorf, Urteil vom 29.08.2017, Az.: 14 Sa 334/17).

Was ist Spoofing?

Mittlerweile gibt es einige Methoden, um an sensible Daten wie Passwörter oder Kontoverbindungen zu gelangen. Beim sogenannten Phishing z.B. versenden Kriminelle massenhaft E-Mails, die von einem anderen, den Empfängern bekannten Absendern zu sein scheinen. In diesen E-Mails wird meistens zur Eingabe bestimmter Daten aufgefordert, um an Kontodaten oder TAN-Nummern heranzukommen.

Ganz ähnlich funktioniert das sogenannte Spoofing im Rahmen von Telefongesprächen. Dabei werden die Rufnummern im Display des Angerufenen verfälscht, weshalb dieser von einem anderen Anrufer ausgeht.

Prepaid-Karten Codes am Telefon

Die Kassiererin einer Tankstelle erhielt während ihrer Arbeitszeit um 22.49 Uhr einen Anruf von jemandem, der sich als Angestellter einer Telefongesellschaft ausgab. Die Nummer im Display entsprach dabei auch der wirklichen Nummer der Telefongesellschaft. Der Anrufer teilte mit, dass bezüglich der Prepaid-Karten des Unternehmens eine Systemumstellung erfolge und für die Abwicklung dieser Umstellung ein anderes Unternehmen, das auch das gesamte Betriebssystem der Tankstelle betreute, beauftragt wurde. Er kündigte an, dass sich dieses Unternehmen zur weiteren Abwicklung der Umstellung bei ihr melden würde.

Tatsächlich erhielt die Kassiererin schon um 22.51 Uhr einen weiteren Anruf. Sie wurde aufgefordert, sämtliche Prepaid-Karten der Telefongesellschaft, die in der Tankstelle zum Kauf angeboten wurden, einzuscannen und die Codes der Karten mitzuteilen. Die Kassiererin scannte daraufhin insgesamt 127 Prepaid-Karten im Wert von je 30,00 EUR ein und teilte die Codes mit.

Der Anrufer nutzte die Codes dann zur Freischaltung von Prepaid-Karten, wodurch dem Tankstellenbetreiber ein Schaden in Höhe von 3.720,00 EUR entstand.

Kassiererin verstieß gegen ausdrückliche Weisung

Brisant an diesem Vorgang ist, dass die Kassiererin durch ihr Verhalten gegen die ausdrücklichen Weisungen ihres Arbeitgebers verstoßen hat. Dieser hatte sie zu Beginn des Arbeitsverhältnisses explizit darauf hingewiesen, dass die Codes für Prepaid-Karten niemals telefonisch bekannt gegeben werden dürfen.

Der Tankstellenbetreiber kündigte daraufhin der Kassiererin. Der Schaden wurde ihm von seiner Versicherung erstattet.

Versicherung klagt

Die Versicherung des Tankstellenbetreibers wollte die Arbeitnehmerin in Regress nehmen und forderte von ihr die Erstattung des entstandenen Schadens. Problematisch war jedoch, dass für die Haftung der Arbeitnehmerin im Arbeitsvertrag eine Ausschlussfrist vereinbart war. Diese war mittlerweile verstrichen, sodass nur noch eine Haftung wegen grober Fahrlässigkeit in Frage kam. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat das Vorliegen grober Fahrlässigkeit jedoch verneint. Begründet wurde dies damit, dass die Kassiererin im konkreten Fall die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nicht in einem ungewöhnlich hohen Maß verletzt hat.

Die Kassiererin war nach Ansicht des Gerichts in der konkreten Situation unterlegen, da die beiden Anrufer den Betrug offenbar genau geplant hatten. Außerdem durfte sie aufgrund der verfälschten Telefonnummer davon ausgehen, dass es sich bei dem Anrufer tatsächlich um einen Mitarbeiter der Telefongesellschaft gehandelt hat.

Auch kam es bei dem Vorgang auch noch zu einem Fehler im Kassensystem der Tankstelle, da beim Einscannen der der Prepaid-Karten nicht danach gefragt wurde, ob dies aufgrund einer telefonischen Anfrage erfolgt.

Die Revision gegen dieses Urteil wurde nicht zugelassen.

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